BEHANDLUNG VON ABGEPUMPTER MUTTERMILCH
Alle Milch, die innerhalb von 24 Stunden abgepumpt wurde,
kann direkt in den gleichen Behälter abgepumpt werden, wenn die zuvor abgepumpte
Milch bei einer Temperatur zwischen 0 und 6° C aufbewahrt wurde. Die Milch kann
in Glas- oder Kunststoffflaschen aufbewahrt werden. Umgießen der Milch von einem
Behälter in einen anderen sollte möglichst vermieden werden, um eine
Verunreinigung mit Keimen so gering wie möglich zu halten.
Es ist umstritten, ob die ersten Tropfen Muttermilch, die beim Abpumpen gewonnen
werden, verworfen werden sollen, um so den Keimgehalt der abgepumpten Milch zu
senken. Solange es sich noch um Kolostrum handelt, sollten die ersten Tropfen
nicht verworfen werden.
Frische Milch kann zu gefrorener Milch hinzugefügt werden, vorausgesetzt, sie
wird zuerst abgekühlt und es ist weniger frische als gefrorene Milch vorhanden
(die obere Schicht der bereits gefrorenen Milch darf nicht auftauen). Jegliche
aufbewahrte Milch sollte beschriftet und mit Datum versehen werden. Die
Haltbarkeit der Muttermilch kann dem folgenden Abschnitt entnommen werden. Ist
das Baby krank oder zu früh geboren, können andere Richtlinien für die
Aufbewahrung gelten.
Gefrorene Muttermilch sollte schonend aufgetaut werden. Entweder sehr langsam
über 24 Stunden im Kühlschrank bei +4 °C oder bei Raumtemperatur. Im Notfall
kann die Milch auch schnell unter fließendem kaltem oder lauwarmem Wasser (max.
37 °C) aufgetaut werden. Muttermilch soll nicht in der Mikrowelle aufgetaut
werden, weil sie dabei nicht nur ungleichmäßig erhitzt werden kann (und es
dadurch schon zu Verbrennungen bei Säuglingen gekommen ist), sondern auch weil
sie zu stark erhitzt werden kann und dadurch wertvolle Inhaltsstoffe zerstört
werden. Ist die Milch aufgetaut, muss sie sofort bis zum Verbrauch wieder in den
Kühlschrank. Aufgetaute Muttermilch kann für 24 Stunden ungeöffnet bei +4 °C
aufbewahrt werden und darf nicht wieder eingefroren werden. Nach dem Öffnen des
Gefäßes muss aufgetaute Muttermilch bei +4 °C aufbewahrt und innerhalb von 12
Stunden verbraucht werden. Reste einer erwärmten Muttermilchmahlzeit müssen
weggeworfen werden.
Muttermilch muss nicht unbedingt bis auf 37 °C erwärmt werden, sondern kann auch
mit Zimmertemperatur gefüttert werden.
Es ist sinnvoll, die Milch in Mengen von 60 bis 120 ml einzufrieren. Kleine
Mengen tauen schnell auf, lassen sich schnell aufwärmen und es bleibt weniger
Milch übrig, die verworfen werden muss, wenn das Baby nicht alles trinkt.
Bei der Wahl des Gefäßes muss darauf geachtet werden, dass es gut zu reinigen
ist, eventuell sterilisiert werden kann, lebensmittelecht ist und dicht
verschlossen werden kann. Falls Sie Muttermilch in Kunststoffbeuteln einfrieren
wollen, sollten diese nicht aus Polyethylen bestehen. (Es gibt spezielle Beutel
zur Aufbewahrung von Muttermilch).
Sie können Muttermilch in Glas oder Kunststoffflaschen einfrieren, dabei sollten
Sie beim Einfüllen jedoch etwa zwei cm Platz lassen, damit sich die Milch beim
Einfrieren ausdehnen kann, ohne dass die Flasche platzt.
Am einfachsten ist es, wenn Sie die Milch gleich in die Flasche, in der Sie sie
aufbewahren wollen abpumpen, so vermeiden Sie das Umschütten, bei dem Milch
verschüttet und verunreinigt werden kann.
Ob es tatsächlich preisgünstiger ist, die Milch in Einmalbeuteln aufzubewahren
oder eine größere Anzahl von (kleinen) Flaschen zu kaufen, hängt davon ab, wie
oft und wie viel Sie einfrieren.
Wird Muttermilch transportiert, darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden.
Tiefgefrorene Milch soll während des Transports nicht auftauen.
WIE LANGE KANN MUTTERMILCH AUFBEWAHRT WERDEN
Die folgenden Richtlinien gelten für die Aufbewahrung von Muttermilch für
gesunde, voll ausgetragene Babys zu Hause (im Gegensatz zur Verwendung im
Krankenhaus). Für kranke oder frühgeborene Babys können andere Richtlinien
gelten.
Bei Raumtemperatur
Kolostrum nach voll ausgetragener Schwangerschaft (Milch, die innerhalb von
sechs Tagen nach der Geburt abgepumpt wurde)
• 12 Stunden bei 27 bis 32 °C (Nwankwo, 1988)
Reife Muttermilch
• 24 Stunden bei 15 °C (Hamosh, 1996)
• 10 Stunden bei 19 bis 22 °C (Barger und Bull, 1987)
• 4 bis 6 Stunden bei 25 °C (Hamosh, 1996; Pittard, 1985)
Im Kühlschrank
Reife Muttermilch
• 8 Tage bei 0 bis 4 °C (Pardou, 1994)
Im Tiefkühlgerät
• 2 Wochen in einem Tiefkühlabteil in einem Kühlschrank
• 3 bis 4 Monate in einem Tiefkühlabteil eines Kühlschranks mit eigenständiger
Kühlung (unterschiedliche Temperatur, weil die Tür häufig geöffnet und
geschlossen wird)
• 6 Monate und länger in einem separaten Tiefkühlgerät bei konstant -19 °C.
(Dieser Text wurde erstellt auf der Grundlage von Informationen
aus: "Handbuch für die Stillberatung", Mohrbacher, Stock, 1. Auflage,
September 2000)