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Mein Sohn Linus begann mit 10 Monaten, frei
zu laufen und ab diesem Zeitpunkt wurde das Wickeln zur Qual für mich und für
ihn. Er wollte nicht mehr still liegen oder stehen und lief mir beim Wickeln
davon, ich musste ihn festhalten und ihn mit Gewalt saubermachen, er weinte und
ich hatte Angst, ihm wehzutun... Es war schrecklich. Es führte meist dazu, dass
ich ihn fast den ganzen Tag mit der selben Windel herumlaufen ließ, nur um ihn
nicht immer wieder quälen zu müssen. Dazu kam, dass die Windeln in der Nacht
regelmäßig überliefen, weil ich mich nicht traute, sie zu wechseln, um Linus
nicht zu wecken.
Ich dachte erst, er mag nur die Plastikwindeln nicht und kaufte ein Set mit
Stoffwindeln. Dadurch hatte er aber immer solch einen dick eingepackten Po, dass
seine (und meine) Abneigung noch wuchs. Das Wickeln in der Nacht war noch
komplizierter als vorher und ich hörte bald mit den Stoffwindeln auf.
Nachdem ich mich einige Wochen so herumgeschlagen hatte, stieß ich durch Zufall
im Internet auf das Buch "Es geht auch ohne Windeln" von Ingrid Bauer. Die
Rezensionen sagten mir, dass die in dem Buch vorgestellte Methode die Lösung
unserer Wickelprobleme sein könnte. Ich bestellte das Buch sofort und wartete
ungeduldig darauf. Als ich es endlich hatte, begann ich gleich zu lesen. Nach
dem ersten Kapitel ging ich hin und nahm Linus die Windeln ab. Wieso war ich
nicht von selber auf diese Idee gekommen?
Ich las das Buch an diesem Tag durch, während Linus seine beiden
Mittagsschläfchen machte. Er war damals schon fast 11 Monate alt und obwohl ich
in dem Buch gelesen hatte, dass es schwieriger wird, wenn das Kind älter ist,
wollte ich es mit ihm probieren. Von dem Buch aufgerüttelt, mochte ich ihn auch
nicht mehr in seinen eigenen Ausscheidungen herumlaufen lassen. Ich probierte
noch am gleichen Tag, ihn aufs Töpfchen zu setzen und ihn über der Toilette
abzuhalten, aber er hatte Angst vor beidem. Er klammerte sich an mich und
schrie. In dem Buch stand, man könne auch die Dusche, Badewanne oder das
Waschbecken probieren. Das wollte ich dann am nächsten Tag tun, um Linus' Geduld
nicht zu strapazieren. Ich fing also folgendermaßen an:
1. Tag: Ich stellte Linus morgens ins Waschbecken und sagte: "Mach Pipi, Linus".
Natürlich kam nichts. Danach ließ ich ihn den ganzen Tag ohne Windeln
herumlaufen, nur mit einer einfachen Nickihose. Immer, wenn er Pipi machte,
sagte ich zu ihm: "Ah, du hast Pipi gemacht, Linus." Dann wischte ich es mit
einem Handtuch auf und zog ihm eine neue Hose an. Jedes Mal wenn ich meinte, er
müsse jetzt, hielt ich ihn übers Waschbecken und sagte den Schlüsselsatz, aber
am ersten Tag kam so noch nichts, sondern nur dazwischen. Dadurch, dass er ohne
Windel herumlief, sondern nur eine einfache, schnell auszieh- und wechselbare
Hose trug, merkte ich sehr schnell, wann seine Pipi-Zeiten waren. Es stimmte
ziemlich gut mit den Voraussagen in dem Buch überein (nach dem Stillen, morgens
öfter als nachmittags etc.) In der ersten Nacht zog ich ihm eine Windel an und
stillte ihn sonst weiter wie üblich. Die Windel war am Morgen nass.
2. Tag: Gleich nach dem Aufstehen, obwohl die Windel nass war, stellte ich Linus
ins Waschbecken und sagte "Mach Pipi, Linus". Und - oh Wunder, er machte Pipi!
Ich freute mich und lobte ihn und verfuhr genau wie am ersten Tag. Aber diesmal
schaffte ich es, mehrere Pipis aufzufangen, bevor sie auf den Boden gingen. In
der Nacht zog ich Linus wieder die Windeln an.
3. Tag: Ich ließ Linus ohne Windel herumlaufen, aber außer dem einen Mal morgens
nach dem Aufstehen, konnte ich kein Pipi auffangen. Entweder war ich zu
abgelenkt, oder er hatte keine Lust. Dafür kam an diesem Tag auch Kaka.
Irgendwann blieb er in der Küche stehen und begann zu drücken. Ich ließ ihn
machen und beobachtete ihn genau dabei, natürlich ohne ihn anzustarren, sondern
nebenbei, während ich weiter arbeitete. Als er fertig war, benahm er sich ganz
komisch, so als sei ihm die volle Hose peinlich und störte ihn. Er wollte auf
den Arm und war ganz aufgeregt. Ich sagte "Du hast Kaka gemacht, Linus", zog ihm
die Hose aus und machte ihn sauber und ließ ihn dann ein wenig ohne Hose
herumlaufen. Das gefiel ihm sehr gut und er lief ganz aufgekratzt herum und
wurde richtig übermütig. Ich ließ ihm die Freude und stellte fest, dass ich so
noch besser erkennen konnte, wenn er Pipi machen wollte.
Die nächsten Tage liefen so weiter. Mal konnte ich fast alle Pipis auffangen,
mal nur wenige. Die Kakas gingen meist in die Hose oder auf den Boden. Auf den
Pipi-Schlüsselsatz reagierte er bald sehr gut und ich konnte sehr genau
beobachten, wie er die Schließmuskeln öffnete und drückte. Ich bemerkte auch,
dass er sich in der Küche eine Pipi-Ecke ausgesucht hatte, in die er sich immer
zurückzog, wenn er musste. So konnte ich immer sofort reagieren, wenn er still
wurde und sich in diese Ecke stellte.
Eines Tages merkte ich, dass Linus Kaka machen wollte. Er stellte sich in seine
Ecke und begann zu drücken und zu grunzen. Ich trug ihn ins Bad, zog ihm die
Hose aus und stellte ihn in die Dusche. Dann sagte ich "Mach Kaka, Linus". Und
da ging es los. Er verstand noch nicht so richtig, was da passierte und als der
größte Brocken raus war, wollte er sofort auf den Arm. Ich sagte ihm, dass ich
ihn erst saubermachen müsse, aber er fing an zu weinen als ich ihn nicht sofort
hochnahm. Da dachte ich "Sch... drauf" im wahrsten Sinne des Wortes und nahm ihn
auf den Arm. Ich zeigte ihm das Kaka, das er gemacht hatte und lobte ihn. Dann
wischte ich es mit Klopapier weg und warf es in die Toilette. Als Linus sich
beruhigt hatte, zog ich mir auch die schmutzigen Sachen aus und ging mit ihm
zusammen unter die Dusche.
Nach einigen Wochen, als Linus auf das Pipi-Schlüsselwort gut reagierte,
probierte ich es auch in der Nacht aus. Da ich ihn immer noch fast voll stillte,
trank er auch nachts 4-6 mal. Ich zog ihm abends eine Windel an, aber wenn er
nachts unruhig wurde und trinken wollte, zog ich ihm erst die Windel aus und
trug ihn ins Bad, wo ich ihn übers Waschbecken hielt. Dann sagte ich den
Schlüsselsatz. Meist suchte er nach der Brust und sobald er sie im Mund hatte,
kam das Pipi. Dann trug ich ihn ins Bett zurück (er schläft im Familienbett),
zog ihm die Windel wieder an und stillte ihn weiter, bis er satt war und
weiterschlief. Während der ganzen Pipi-Prozedur wurde er nicht vollständig wach.
Vorher, als ich Linus nachts noch nicht im Bad Pipi machen ließ, wühlte er nach
jeder Stillmalzeit noch 15-20 Minuten im Bett herum, bis er sich beruhigte und
wieder fest einschlief. Jetzt aber trank er eine Brust leer, löste sich von der
Brust und legte sich wieder neben mich und war sofort wieder fest eingeschlafen.
Inzwischen bin ich dazu übergegangen, NACH dem Stillen mit ihm ins Bad zu gehen,
denn vorher kam der erste Milchspendereflex immer im Bad und mir wurde ein wenig
schwindlig weil der Kreislauf noch nicht so auf der Höhe war. Aber jetzt kann
ich mich beim Stillen entspannen. Wenn Linus die Brust loslässt und sich wieder
hinlegen will, dann nehme ich ihn hoch und trage ihn ins Bad. Irgendwann fing er
an, sogar Pipi zu machen, bevor ich den Schlüsselsatz sagte, schon als er
merkte, dass ich ihn übers Waschbecken hielt.
Mit dem Kaka machen hat es sich in den letzten Monaten so entwickelt, dass Linus
sich irgendwo hinhockt und zu drücken beginnt, wenn er muss. Wenn ich es merke,
sage ich ihm, er solle ein wenig warten und trage ihn sofort ins Bad. Dort macht
er dann auf die Fliesen und ich wische es mit Klopapier oder einem feuchten
Lappen weg. Dann setze ich ihn ins Waschbecken ins warme Wasser und wasche ihm
den Po. Das finde ich besser, als ihn mit Papier oder mit einem Lappen zu
reinigen, denn er wird davon leicht wund. Auch müsste ich dann immer mit Gewalt
zwischen die Pobacken mit dem Lappen. Im Waschbecken kann ich ihn aber wegen der
sitzenden Haltung einfach reinigen ohne viel herumzureiben, indem ich nur ein
wenig das Wasser verwirbele. Ins Töpfchen mag Linus nicht Kaka machen und über
der Toilette abgehalten werden mag er auch nicht. Dafür reagiert er sehr gut auf
den Schlüsselsatz, aber er versteht natürlich inzwischen auch fast alles, was
ich ihm sage. Er ist sehr stolz auf seine Häufchen und ich lasse ihn sie auch
immer bewundern bevor ich sie wegwische.
Ich probierte es immer wieder mit dem Töpfchen aus, aber Linus wollte nichts
davon wissen. Er wollte sich auch nicht abhalten lassen und ich merkte, dass es
am besten ging, wenn ich ihn selber machen ließ. Vielleicht lag es daran, dass
Linus schon laufen konnte, als ich anfing, und er sich irgendwie kontrolliert
und gezwungen fühlte, wenn ich mit dem Töpfchen ankam oder ihn abhalten wollte.
Irgendwann probierte ich dann, Linus in die Toilette Pipi machen zu lassen,
indem ich ihn mit den Füßen auf den Rand stellte und ihn hineinpillern ließ. Das
klappte sehr gut. Anschließend durfte er dann selbst das Wasser abziehen. Ich
würde ihn gerne nachts in eine Schüssel Pipi machen lassen, aber im Dunkeln muss
ich die Schüssel nach Gefühl direkt unter seinen Penis halten, damit nichts
daneben geht. Das Gefühl der Schüssel an seinen Schenkeln scheint ihn aber zu
erschrecken und er wehrt sich dagegen und stößt die Schüssel mit den Beinen weg.
Deshalb gehe ich nach wie vor nachts ins Bad mit ihm. Ich werde es aber mit
einer größeren Schüssel probieren, die ich dann auf dem Boden stehen lassen kann
ohne dass was danebengeht. Die letzten Nächte habe ich Linus auch nachts keine
Windel mehr angezogen. Nur wenn er nachts nicht Pipi machen will, weil er sich
erschreckt oder gerade nicht muss, ziehe ich ihm zur Sicherheit die Windel an,
bis er das nächste Mal muss.
Wenn wir unterwegs sind, wäge ich vorher ab, wie lange wir ungefähr weg sein
werden. Wenn ich Linus spazieren trage, gehen wir ohne Windel los. In der
Spielgruppe, die ca. eine Stunde dauert, ziehe ich ihm auch keine Windel an,
sondern nehme ein Handtuch und Kleidung zum Wechseln mit. Bis jetzt hat es aber
in der Spielgruppe immer ohne Malheur geklappt. Auf längeren Autofahrten nehmen
wir Wechselkleidung und Handtücher mit. Wir lassen ihn vorher Pipi machen und
halten auch zwischendurch an, damit er Pipi machen kann. Wenn trotzdem was
daneben geht, kriegt er eine trockene Hose und ein Handtuch auf den Sitz. Wenn
wir bei anderen Leuten waren, gab es am Anfang eine Windel, weil wir dann oft
abgelenkt waren und nicht so gut auf Linus' Signale achten konnten. Inzwischen
machen wir es so, dass wir ab und zu mit Linus zur Toilette gehen und ihn Pipi
machen lassen.
Zu Hause gibt es immer mal wieder Pfützen, aber wir haben in jedem Zimmer ein
Pipi-Handtuch liegen und wischen es sofort auf. Linus gibt eindeutige Signale,
wenn er muss, aber manchmal sind wir auch hier abgelenkt. Wenn er dann auf den
Boden macht, wird uns bewusst, dass er sich gemeldet hat und wir nicht
aufgepasst haben. Wir sehen das aber sehr locker. Inzwischen sind bestimmt alle
Schränke einmal angepillert worden, einmal hat Linus sogar mein Keyboard
getroffen... aber ich bin froh, dass er nur noch sehr selten eine Windel
braucht.
Als ich Linus zum ersten Mal ohne Windel herumlaufen ließ, wurde mir bewusst,
dass ich bis zu jenem Zeitpunkt nicht gewusst hatte, wie sein Körper aussieht.
Beim Wickeln war ich immer so sehr damit beschäftigt gewesen, ihn sauber zu
machen und ihm die frische Windel anzuziehen, obwohl er sich wehrte und
herumhampelte, dass ich an nichts anderes mehr denken konnte. Jetzt konnte ich
ihn plötzlich sehen und stellte fest, dass er wunderschön ist. Auch heute noch
freue ich mich jeden Tag darüber, dass ich ihm nicht immer drei Lagen Klamotten
anziehen muss, wenn er im Haus spielt. Seine Körperform ist so perfekt, ich kann
sehen, wie er sich bewegt, das Spiel seiner Muskeln beobachten und mich an
seiner schönen Haut freuen. Weil das dicke Windelpaket weggefallen ist, braucht
er nicht mehr die großen Hosen mit der ausgeprägten Windelbeule, sondern ich
kann ihm wieder die Hosen zwei Nummern kleiner anziehen. Die Hose hält sich gut
an seiner Hüfte und wird nicht von der dicken Windel heruntergezogen, was ihm
vorher immer eine Art Watschelgang verlieh. Und - es stimmt - ein Kind ohne
Windeln fasst man/frau ganz anders an. Ich bin mir seiner Körperteile sehr
bewusst geworden, nehme Rücksicht darauf und achte darauf, dass ich im nicht
wehtue.
Ich hoffe, dass ich den Eltern mit älteren Babies Mut machen konnte, es zu
probieren. Ich finde, es lohnt sich auf jeden Fall. Die paar Pfützen sind nichts
gegen das Gefühl der Freiheit, welches Linus empfindet, wenn er ohne Windel
herumlaufen kann. Ich habe ihn viel besser kennen gelernt und kann seine Signale
erkennen und darauf reagieren. Ich habe ein schönes, schlankes, drahtiges
Kleinkind und nicht ein verpacktes Bündel aus Klamotten, Papier und Gelkügelchen.
Wenn Linus eine Windel tragen muss, versucht er immer, sie sich wegzureißen. Ich
merke auch, dass sie ihn dann beim Laufen behindert, aber manchmal (immer
seltener) lässt es sich nicht vermeiden. Ich hoffe, dass wir in einigen Wochen
auch auf diese letzten Windeln verzichten können.
März 2005
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Ergänzung
Wie erhofft, haben wir inzwischen ganz aufgehört, Windeln zu benutzen. Wir waren
schon überall ohne Windeln und es klappt sehr gut. Wenn wir einkaufen fahren,
lassen wir Linus Pipi machen, bevor wir ins Auto steigen und dann vor dem
Heimweg auf dem Parkplatz. Wenn wir im Garten sind darf er einfach ins Gras
pillern. Er sagt aber immer Bescheid und wird dafür auch gelobt. Inzwischen mag
er auch nicht mehr mit der nassen Hose herumlaufen, wenn wir mal nicht schnell
genug waren, sondern kommt zu uns und möchte eine trockene Hose.
Seit etwa zwei Monaten gab es auch kein Malheur mehr in der Nacht. Ich stehe
immer noch mehrmals in der Nacht auf und gehe mit Linus ins Bad und halte ihn
übers Waschbecken. So klappt es irgendwie besser als mit der Schüssel, er kennt
das schon und pillert sobald er das Waschbecken unter seinen Füßen fühlt. Wenn
er nicht muss, zieht er einfach seine Beine an und wir gehen wieder ins Bett. Er
wird nicht vollständig wach dabei und meist merke ich, wie er schon während er
pillert vor Erleichterung wieder in Tiefschlaf fällt.
Es ist wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, warum man/frau dies tut.
Es geht nicht darum, das Kind trocken zu kriegen (das ist nur ein angenehmer
Nebeneffekt), sondern darum, das Kind nicht in seinen eigenen Ausscheidungen
herumlaufen/liegen/krabbeln zu lassen. Stellt euch mal vor, ihr müsstet auch nur
5 Minuten mit eurem Stuhl in der Hose herumlaufen! Wie unangenehm ist es uns,
wenn beim Pinkeln ein paar Tröpfchen daneben gegangen sind und die Hose nass
ist! Ich bin jedenfalls froh, dass ich Windelfrei probiert habe.
Wer nicht sofort ein Buch kaufen möchte, kann auf der Website http://www.topffit.de
viele Infos zu Topffit/Windelfrei finden. Auch das englischsprachige Internet
bietet unter den Stichwörtern "elimination communication" und "infant potty
training" viel Material.
Ich wünsche euch viel Erfolg und viel Spaß auf dem Weg zur Windelfreiheit. Und
denkt daran: es ist nie zu spät!!
Liebe Grüße,
Margarete mit Linus (11/2003)
Mai 2005
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Ergänzung
Ja, inzwischen ist noch viel passiert. Linus ist jetzt fast 25 Monate alt und
ich kann mir nicht mehr vorstellen, ihm eine Windel anzuziehen, genau so wenig
wie irgendeinem anderen Kind. In der Spielgruppe geht irgendwann immer das große
Wickeln los und wenn ich sehe, was die anderen Mütter alles mitschleppen müssen,
um ihre Kinder zu wickeln, freue ich mich, dass wir einfach den Ergo nehmen und
losgehen können. Linus ist hier zu Hause den ganzen Tag nackt, im Sommer wie im
Winter. Er sagt meist (verbal) Bescheid, wenn er muss. Manchmal geht auch noch
ein Pipi auf den Boden weil ich nicht auf seiner Wellenlänge bin, sondern am
Computer diese Postings schreibe oder telefoniere, oder weil das Spielen gerade
so spannend für ihn ist und er sich nicht stören lassen will. Aber ich zeige ihm
dann nur, wo das Handtuch liegt und er holt es und wischt selber auf. Manchmal
klappt es auch, wenn ich ihm einfach das Töpfchen hole und vor ihn hinstelle.
Wenn wir unterwegs sind, kann ich auf jede öffentliche Toilette mit Linus gehen,
egal ob es im Zug, im Flugzeug oder im Supermarkt ist. Die viel zitierte
brenzlige Situation an der Kasse im Supermarkt gibt es nicht, da er schon sehr
früh merkt, dass er muss und nicht erst bis zum letzten Moment wartet. Deshalb
kann er dann gut ein paar Minuten warten bis ich bezahlt habe und wir zur
Toilette gehen können. Wenn ich zwar in der Schlange stehe aber noch nicht dran
bin wenn er sich meldet, dann gehe ich eben zuerst zur Toilette mit ihm und
stelle mich nachher noch mal an. Solche Situationen kommen aber sehr selten vor,
weil er immer schon Pipi machen kann, bevor wir losfahren. Ich habe eine kleine
Plastikschüssel im Auto und habe ihn auch schon mal während der Fahrt
hineinpillern lassen, als wir gar nicht anhalten konnten und er dringend musste
(mein Mann saß am Steuer).
Wenn wir bei anderen Leuten sind, klappt es auch sehr gut. Linus merkt sich auch
schon, wo die Toiletten sind und kann mir den Weg zeigen ;) . Unsere Verwandten
haben sich schon daran gewöhnt, dass Linus keine Windeln trägt und finden es
ganz normal. Der Kinderarzt fand es auch ganz toll, besonders vom Umweltaspekt
her. Und ich muss auch nicht andauernd "krampfhaft" nach einer Toilette suchen,
wie es eine Frau im Forum mal ausdrückte, sondern genau so, als wenn ich für
mich eine suchen würde. Mir passiert es nämlich auch manchmal, dass ich in der
Stadt, im Zug, im Flugzeug oder im Supermarkt auf die Toilette muss ;) . Dann
lasse ich Linus gleich mit machen und es kann wieder los gehen.
In der Nacht gehe ich immer noch mit Linus ins Bad und halte ihn über dem
Waschbecken ab. Ich halte ihn dabei im Arm in der Stillposition und lasse seine
Beine locker ins Waschbecken hängen, so geht der Strahl nicht daneben. Wenn er
fertig ist, zieht er die Beine wieder an und wir gehen wieder ins Bett. Meist
hat er während der ganzen Prozedur die Brust im Mund. Oft schläft er noch
während des Pinkelns auch wieder fest ein und ich kann ihn im Bett einfach
ablegen und mich daneben legen und weiter schlafen. Manchmal stillt er auch im
Bett noch ein wenig weiter, bis er los lässt und schläft. Er trinkt zwar immer
noch ziemlich oft in der Nacht, muss aber nicht mehr jedes Mal, weil er älter
geworden ist und seine Blasenkapazität sich auch vergrößert hat. An der Art, wie
er trinkt (ruhig, mit regelmäßigem Schlucken oder unruhig und nur nuckeln), kann
ich gut erkennen, ob er muss oder nicht.
Wenn Linus krank ist oder wir Gäste haben, wenn wir bei anderen Leuten zu Besuch
sind und dort übernachten, oder wenn er einen Entwicklungsschub macht, dann geht
das Pipi nachts noch ab und zu ins Bett. Seltsamerweise wacht er dann aber
sofort auf und jammert oder sagt sogar "Pipi Bett!". Dafür habe ich eine weitere
Steppdecke hier liegen, die lege ich darüber bis zum Morgen und lasse es dann
tagsüber trocknen, denn wir haben ein Wasserbett. Wenn es riecht, wasche ich das
Bett einfach. Es ist keine große Sache.
Das große Geschäft macht Linus jetzt immer entweder selber ins Töpfchen oder er
möchte über der Toilette abgehalten werden (obwohl er am Anfang das Abhalten
überhaupt nicht mochte!). Das klappt auch anderswo sehr gut - wir haben alles
schon mal ausprobiert. Der letzte Meilenstein war Kaka machen bei Oma :) . Er
sagt immer Bescheid oder wir merken, dass er sich irgendwo in die Ecke setzt und
zu drücken anfängt. Auch dann kommt er aber zu uns sobald er merkt, dass
wirklich was herauskommt und es nicht nur Luft war. Wenn er dringend muss, das
Gefühl aber nicht gleich zuordnen kann, oder wenn er ein wenig Durchfall hat,
dann sagt er "Bauch tut weh" und zeigt auf seinen Bauch. Dann weiß ich, dass ein
Kaka wartet und halte ihn sofort ab. Manchmal muss Linus auch nachts ein großes
Geschäft machen, aber wenn er aus dem Schlaf von dem Druck aufwacht, kann er
nicht gleich was damit anfangen. Das äußert sich dann in untröstlichem Weinen.
Ich spreche dann mit ihm und versuche, ihn soweit wach zu kriegen, dass ich ihm
klar machen kann, dass er Kaka machen soll und es ihm danach besser geht. Wenn
er dann gemacht hat, schläft er innerhalb einiger Minuten an der Brust wieder
ein.
Insgesamt kann ich jetzt nach einem guten Jahr Windelfrei sagen, dass es für uns
ein voller Erfolg war. Linus lernt gerade, sich an- und auszuziehen und wird
wahrscheinlich in einigen Monaten in der Lage sein, selbständig auf die Toilette
zu gehen. Wenn er nackt ist, kann er es sowieso schon ganz selber machen, nur
zum sauber machen braucht er mich noch. Wir hatten schon seit vielen Monaten
keine nassen Hosen mehr. Ich kann allen - auch den Zweiflern - nur empfehlen,
ihre Ängste und Bedenken über Bord zu werfen und es einfach mit Windelfrei zu
probieren. Es ist NIE zu spät!
Dezember 2005
Margarete mit Linus (11/2003)
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